Nach den gut zwei Wochen im Athletes Village in Shenzhen bedeutete der Flug von Shenzhen nach Guilin gleichzeitig auch den Schritt ins „richtige“ China. Also jenes ohne tausende von Volunteers, ohne 24h McDonalds und Foothall, dafür dem „wahren“ Gesicht Chinas und seinen Bewohnern. Doch auch dieses Gesicht ist sehr freundlich – jedoch spricht wenig überraschend praktisch niemand mehr Englisch. Somit wurde die Kommunikation meistens mittels Händen und Füssen bewältigt – manchmal aber einfach auch mit einem Lachen und der Feststellung, dass entweder ich der anderen Person oder diese mir niemals das sagen kann, was sie bzw. ich will, ohne dass einer von uns zuvor einen Sprachkurs gemacht hätte :) So, just let it be...
Zuerst verbrachten wir zwei Tage in Guilin. Auf dem Programm stand unter anderem eine Radtour – typisch Touristen halt! Dies war ziemlich abenteuerlich, da Verkehrsregeln hier eigentlich inexistent sind. Einzig an grösseren Kreuzungen gibt es so etwas wie eine Ampel, welche die meisten beachten. Da der ganze Verkehr allerdings in einem relativ gemütlichen Tempo rollt und er zu ca. 80% aus Mopeds besteht, ist das Ganze jedoch nicht so gefährlich, wie es vielleicht von „aussen“ aussieht. Aber abenteuerlich war es auf jeden Fall!
Die Umgebung und Vegetation in Guilin und unserem zweiten Stopp, Yuangshuo, ist sehr interessant. Grundsätzlich ist es flach, es hat jedoch ganz viele kleine Hügel, welche ein sehr schönes Bild ergeben. Das Wetter ist auch etwas angenehmer als in Shenzhen. Es ist zwar an einem sonnigen Tag immer noch über 30° warm, allerdings ist die Luftfeuchtigkeit bedeutend tiefer und so schafft man es doch, einmal einen ganzen Tag das gleiche T-Shirt zu tragen, ohne dass dieses durchnässt ist.
Von Guilin nach Yangshuo gelangten wir auf einem Schiff. Die ersten zwei Stunden erlebte ich nicht so viel mit – die letzte Nacht steckte noch etwas in den Knochen, resp. Vodka/Grüntee im Blut und die Müdigkeit im Körper. Vodka/Grüntee ist hier das Pendant zu Vodka/Red Bull und schmeckt ziemlich lecker. Jedoch gilt es auch bei dieser Mischung anzumerken, dass das Verhältnis 1:1 auch bei dieser Mischung ziemlich stark ist ;) Danach kamen wir noch auf die glorreiche Idee im Fluss zu baden, welcher nicht gerade die Wasserqualität eines Schweizer Bergsees hat – also nüchtern hätten wir es wohl nicht gemacht. Aber hey, man hat ja keine Wahl, wenn der Pool völlig überraschend um 03:00am geschlossen ist - Frechheit!
Anyway, auf alle Fälle hatte wohl diese Schiffahrt resp. die Verpflegung darauf Auswirkungen auf meine nächsten 36 Stunden. Denn gegen Abend fühlte ich mich entsprechend dem Motto „ich bin auch ein Vulkan“. Kein Ahnung, was mein isländischer Name wäre – aber hoffentlich nicht so kompliziert wie 'Eyjafjallajökull' – aber es brodelte ganz schön in mir drin. Ich war jedoch nicht der einzige, dem es so erging. Aber im Gegensatz zu anderen erholte ich mich ziemlich schnell wieder. Ich brauchte einfach einen Day-Off, an welchem ich hauptsächlich das Hotelzimmer sah und ca. 16 Stunden schlief. Aber mit dem muss man wohl rechnen, wenn man in Asien am reisen ist.
Nach insgesamt vier Tagen ging es dann noch an einen dritten Ort weiter, welcher etwas nördlich von Guilin liegt – Longsheng. Dort fuhren wir zuerst mit dem Bus hoch und danach noch gut 20min zu Fuss weiter nach ganz oben, bis wir schlussendlich auf einer Reisterrasse waren, wo es ein kleines Dorf gab. Dieses machte ein wenig den Eindruck, als wäre es ein kleines Skiresort in den Alpen, da praktisch alle Gebäude aus Holz gebaut waren. Und auch die Topografie glich ziemlich stark einem Skigebiet, da die Reisterrassen ganz schön steil sind. Das Schönste war aber eigentlich, dass es endlich wieder einmal ruhig war! Etwas, das in den letzten Tagen eher selten war. Entweder gab es drei verschiedene Musikmelodien, welche sich aus den umliegenden Kaffees „suboptimal“ ergänzten, oder das Hupkonzert war noch etwas lauter. Denn im Hupen haben die Asiaten wohl den Weltmeistertitel – sie üben aber auch dementsprechend viel! Und falls es mal ruhiger gewesen wäre, blinkten sicherlich 1000 Lichter, denn das ist in Asien auch gaaaanz wichtig: je farbiger, desto besser! Doch hier oben war alles etwas anders. Alles etwas leiser, etwas weniger Leuchten aus allen Richtungen und die Luftqualität bedeutend besser. Und der Sternenhimmel war auch ziemlich beeindruckend. Nicht, dass ich so emotional geworden wäre wie der Typ mit den Double-Rainbows :), aber es war doch ganz schön. Und am Morgen sahen wir dann den Sonnenaufgang über den Reisfeldern.
Und so konnte ich in den vergangenen Tagen doch sehr tiefe Einblicke in die chinesische Kultur werfen und viele Sachen erleben. Angefangen bei der Radtour, ein Badminton-Match gegen Einheimische (nein Schelling, ich glaube auch für dich wäre es eng geworden!), eine Besichtigung in einer Tropfsteinhöhle, eine Schiffahrt, eine Flossfahrt mit Wasserschlacht, unzählige Märkte, local Beer, Vodka/Grüntee und Schlangenschnapps, Chinesische Malerei, Seidenfabrik, Perlen, Teeplantage und chinesisches Essen – wobei ich von letztem für den Moment zwischenzeitlich doch etwas genug hatte und nicht sooo traurig war, dass zum einen in Yangshuo gleich ein KFC neben unserem Hotel stand und wir zum anderen gestern Mittag Pizza hatten.
Nun bin ich gerade am Flughafen in Guilin und gleich geht es weiter nach Hong Kong. Mal schauen, was mich in den nächsten beiden Tagen in dieser Weltstadt erwartet – aber ich denke, es wird noch einmal ziemlich awesome! Ni hao an alle zu Hause und bis bald!