Dienstag, 20. September 2011

Hello Canada - again!

Ja, ich gebe es zu, es hat einen Moment gedauert bis zu meinem ersten Eintrag aus Kanada. Die Gründe dazu sind vielfältig – und eigentlich allesamt positiv, denn ich hatte schlichtweg (fast) immer etwas Besseres zu tun ;)

Und da ich nun gut zwei Wochen „aufholen“ muss, beginne ich am besten vorne... Nach dreieinhalb Tagen zu Hause in der Schweiz und noch mit allen Eindrücken aus China ging es ja bereits weiter für mich und so war es am Sonntag Abend mein dritter Kontinent in gerade einmal fünf Tagen, auf dem ich mich befand! Da könnte wohl nicht einmal manch ein Berater mithalten ;)

Und eigentlich war es fast ein bisschen ein zweites „nach Hause-Kommen“, als ich in Toronto aus dem Flieger stieg. Zwar nicht unbedingt gleich bei der Ankunft, da ich ja noch nie in Toronto bzw. Kingston war, jedoch in den darauf folgenden Tagen. Denn es gab einiges, was mir doch irgendwie noch bekannt vor kam nach dem letzten Aufenthalt in Vancouver und den Rockies vergangenen Sommer!

Da wäre beispielsweise einmal ‚Metro’ aka Migros ;) Ab sofort wird der Orangen-Saft also wieder in der 1.89 Liter Packung gekauft, die Zwiebeln sind ca. zwei Mal so gross wie meine Faust, mit Käse hat das alles nichts zu tun, was hier unter „Cheese“ verkauft wird (geschweige denn jener, den sie noch als „Swiss“ anpreisen – pha, Frechheit! :)). Dann natürlich Läden wie der Dollorama, welcher immer wieder ein Vergnügen ist. Oder nicht zuletzt ein Busnetz, das an die 80er Jahre erinnert (auch wenn ich da wohl nicht so oft Bus gefahren bin...). Auf alle Fälle hatte ich in den ersten Tagen so meine liebe Mühe mit den Bussen hier. Da sie leider nur im Halbstundentakt fahren und ich keinen Fahrplan hatte, verbrachte ich meist etwas mehr Zeit als gewollt an der Haltestelle. Ziel meiner Busreise war Wallmart, von welchem ich die Adresse gegoogelt hatte und ich versuchte nun, irgendwie mit dem öffentlichen Verkehr da hin zu kommen (nein, die Malls sind nicht so gebaut worden, dass sie einfach mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar sind!). Grund für dieses Abenteuer war, dass ich nach zwei Nächten auf der blossen Matratze fand, dass es an der Zeit wäre, Kopfkissen und Bettdecke etc. zu kaufen! (Es dauerte zwei Tage, da ich am Sonntagabend ankam und am Montag gleich ein Feiertag war). Ich schaffte es dann aber irgendwie, alles zu kaufen – auch wenn mich dieser Trip nach erneuten Warteeinlagen rund 3.5h kostete. Ich bin ja so froh, dass ich seit China ein so geduldiger Mensch bin :)

Und auch sonst wurde es in der ersten Woche nicht langweilig, da ich bei der NEWTS-Week mitmachte. Das ist etwas für alle Studenten, die nicht „frosh“ sind, jedoch noch nie bei der Orientation-Week dabei waren – was somit hauptsächlich auf Austauschstudenten zutrifft. Ein „frosh“ ist ein Student, der im ersten Jahr hier an der Queen’s University ist. Und ich kann euch sagen, dann geht es aber ganz schön ab in dieser ersten Woche! Alle Froshs müssen dann die ganze Woche durch irgendwelche Sachen machen, werden von den älteren Studenten gedrillt und schikaniert – und dazu wird immer getanzt und gesungen. Und so war jeweils bereits um 8 a.m. einiges los auf dem Campus! Die schlimmsten waren die Engineering-Studenten, resp. Froshs – wie auch die Bilder beweisen!

Unsere Newts-Week war dagegen etwas gemütlicher – jedoch wurden auch wir mit vielen der zahlreichen Traditionen, Gesänge und Tänze hier an der Queen’s University bekanntgemacht. Ich kam mir also fast ein bisschen vor wie ein Cheerleader nach dieser Woche :)

Auf alle Fälle bin ich aber froh, diese Newts-Week besucht zu haben, da ich dadurch seeeehr viele neue (Austausch-) Studenten kennengelernt habe – und die haben ja bekanntlich alle etwa die gleichen Interessen...

Natürlich habe ich mich auch schon bestens an die nordamerikanische Kultur angepasst:

· Ketchup zählt beinahe schon als Gemüse.

· Mit der Abwechslung von Pizza, Hot Dog und Hamburger konnte ich fast die ganze erste Woche lang leben.

· Man hat ernsthaft das Gefühl, dass Subway gesund sei

· Ich trinke hauptsächlich Canadian

· Das Wasser schmeckt etwa gleich wie ein Swimming Pool

· Man geht besser schon in ziemlich gutem Zustand in den Ausgang, da der Alkohol etwa gleich viel kostet wie in der Schweiz (also sau teuer) und die Clubs bereits um 2 Uhr dicht machen.

· Ich habe mir die beiden Football-Games der Uni angeschaut.

· Beer Pong is a sport and therefore I’m an athlete

Eine wirklich coole Sache war das letzte Wochenende, welches als „Homecoming“ bezeichnet wird. Dies bedeutet einerseits, dass es eine ziemlich feucht, fröhliche Sache ist, zum anderen dass viele Alumni von Queen’s wie es der Name sagt, zurückkommen und dann alle ans Football-Game gehen (und diesmal haben wir sogar hoch haus gewonnen!). Für das feucht, fröhliche war „Pancake&Kegger“ verantwortlich: d.h. Bier und Pancakes zum Frühstück! Da ich grundsätzlich ja nicht zu den Leuten gehöre, die vor dem Mittag das Bedürfnis verspüren, Alkohol zu konsumieren, hatte ich etwas Mühe mit dem ersten Bier um 10 Uhr (was auch noch etwas an der vorangegangenen Nacht gelegen haben könnte), jedoch geht es ja dann bekanntlich mit jedem Becher besser (standesgemäss natürlich in den roten Bechern, wie man es aus den Filmen kennt). Und ja, das Football-Game machte um einiges mehr Spass als beim ersten Mal ;)

Meine Roommates sind auch super und da auch das Wetter im Moment ziemlich gut ist, kann ich sagen: doch, es gefällt! Und ich bleibe gern noch ein bisschen...

Einziger Negativpunkt ist, dass ich „nebenbei“ noch an meiner Bachelorarbeit dran bin. Hoffe, dass dieses Kapitel dann aber in den nächsten Wochen abgeschlossen werden kann und ich mich so einerseits auf die Uni hier konzentrieren kann – und zum anderen hoffentlich noch etwas die umliegenden Städte bereisen kann.

Und jetzt noch etwas für alle HSGler: Der Frauenanteil hier in Queen’s ist (soweit ich weiss) ca. 60 zu 40% zu Gunsten des weiblichen Geschlechts! Das macht für einen HSGler ein gefühltes Verhältnis von mind. 75 zu 25% ;) und in meiner Newts-Week war es sogar ca. 80 zu 20%... wie gesagt, mir gefällt es hier, haha!

So, das wär’s für den Moment. Cheers guys!

Freitag, 2. September 2011

Part 1 - Mission erfüllt!

Der erste Teil meiner Reise ist bereits zu Ende. Was am 8. August an der Posthaltestelle begann, findet am Flughafen in Hong Kong sein Ende. Dazwischen konnte ich drei sehr ereignisreiche Wochen in China verbringen. Deshalb folgt hier ein kleines Résumee mit Dingen, die mir geblieben sind.

Aus sportlicher Sicht verlief die Universiade überragend, da wir Radfahrer fünf Medaillen gewinnen konnten, was unsere Zielsetzung bei weitem übertrifft. Unsere Medaillen stellen gar 100% der ganzen Schweizer Delegation dar und ich gehe somit davon aus, dass sie ziemlich froh sind, uns mitgenommen zu haben.

Supersize me: Ich habe es bereits bei den ersten Eindrücken beschrieben: hier in Shenzhen war einfach alles ein bisschen grösser. Um sich die Dimensionen etwas besser vorstellen zu können, hier ein paar Eckdaten: Die Bevölkerung zählt rund 13 Millionen Personen und die Stadt hat einen Durchmesser von ca. 250 Km! Auch das Athletes Village war riesig und bot rund 13'000 Personen Platz. Dazu gehörten unter anderem auch zwei Food Halls, in einer der beiden gab’s einen 24h McDonalds zur freien Benützung – not bad. Und in diesen Foo Halls gab es sehr viel zu sehen! Von kleinen Kunstturnerinnen, welche wohl nicht alle das Mindestalter von 18 Jahren erfüllt haben, bis zu Volleyball- und Basketballteams, die jeweils in einer anderen Sphäre lebten – ein paar Stockwerke weiter oben. Dann aber auch von dick bis dünn, hell bis dunkel, blond bis schwarz und hübsch bis hässlich – es gab alles!

Was definitiv auch in Erinnerung bleiben wird, sind die Eröffnungs- und Schlussfeier. Hier übrigens der entsprechende Link dazu: http://www.youtube.com/watch?v=HiOYMXbPlBA&feature=player_embedded besonders empfehlenswert sind die ersten paar Minuten und dann natürlich bei 1h30min der Einmarsch der Schweizer Delegation! Ein riesen Aufwand und ein riesiges Spektakel, dass da geboten wurde – und wir mittendrin! Ich denke, dass dies wohl ziemlich einmalig ist, zumindest für mich. Und bei der Eröffnungsfeier wurde erneut gezeigt, welcher Aufwand für die Universiade hier in Shenzhen betrieben wird: Da die Eröffnungsfeier rund 1 Stunde per Auto vom Village entfernt stattfand, mussten alle Personen dahin transportiert werden. Zum einen ist das natürlich einmal ein ökologischer Schwachsinn, da das 60'000 Plätze umfassende Leichtathletikstadion nur 10min zu Fuss entfernt gewesen wäre. Zum anderen stellt dies eine sehr grosse logistische Herausforderung dar. Gelöst wurde das Problem wie folgt: Alle Personen wurden mit Cars dahin chauffiert (ich habe mal eine Zahl von insgesamt 2'300 Bussen gelesen, die für die Universiade im Einsatz waren) und damit es keinen Stau gab auf der Autobahn, wurde der Tag zum Feiertag ernannt und die Autobahn abgesperrt. Ähnliches gab es übrigens auch beim Mannschaftszeitfahren: Auch da wurde eine Autobahn gesperrt, damit das Zeitfahren darauf stattfinden konnte – auf zwei mal drei Spuren versteht sich!

Ja, und dann gab es da noch die anderen kuriosen Dinge im Dorf: Bspw. habe ich einmal einen Schirmständer entdeckt, der abschliessbar ist, damit der Schirm nicht geklaut wird. Das Ganze sah ähnlich aus wie ein Skiständer und man konnte dann den Schlüssel mitnehmen und der Schirm war sicher. Dann gab es Sicherheitskontrollen, welche wohl jeden Flughafen übertreffen – das kostete teilweise auch ganz schön Nerven. Essen und Trinken aus der Dining Hall zu schmuggeln war auch nicht ganz einfach, und auch das brachte mir einige lustige und ein paar mühsame Momente – aber schlussendlich schaffte ich es immer.

Der Bazar, wo alle Kleider getauscht wurden, war sicherlich auch ein Highlight, und ganz generell all die verschiedenen Kulturen, die auf einander trafen – und dabei kam es meines Wissens nie zu Streitereien o.Ä. Einzig einmal am frühen Morgen im McDonalds gab es so etwas ähnliches. Dieser war übrigens in den letzten Tagen jeweils der „place to be“ nach dem Ausgang und es ging teilweise sehr lustig zu und her.

Nach der Universiade ging es dann ja bekanntlich noch etwas ins „Hinterland“ was ebenfalls sehr spannend war und eine Reise, die ich nicht missen möchte.

Die letzten beiden Tage konnte ich noch in Hong Kong verbringen. Im Gegensatz zu Shenzhen hat Hong Kong zwar „nur“ rund sieben Millionen Einwohner, jedoch hatten wir unser Hotel Downtown (Waterloo Rd für Insider) und mir kam es also ganz schön eng und überfüllt vor. Dass HK zu jenen Städten gehört, von denen man sagt, dass sie niemals schlafen, kann ich nun ebenfalls nachvollziehen und bestätigen. Wenn man abends um 11 Uhr durch die Strassen läuft hat es immer noch unglaublich viele Leute und es ist vor lauter Leuchtreklamen fast so hell wie den Tag durch. Zudem wurde mir bewusst, dass die Schweizer Uhrenindustrie schon einen ziemlich guten Auftritt im Ausland hat und Swissness eine gute Reputation. Ich glaube ich habe noch nie so viele Uhrengeschäfte gesehen wie in HK!

Ansonsten haben wir natürlich das Übliche gemacht, was man halt so macht als Tourist in HK. Sprich Peak, einige Markets und Parks, Ausgang in LKF, eine Bootsfahrt im Hafen und natürlich die Lasershow am Abend. Wobei ich sagen muss, dass ich diese etwas überbewertet finde. Es hat mich auf alle Fälle jetzt nicht gerade aus den Socken gehauen – und hey, wir standen am besten Ort in der ersten Reihe! Vor allem die Musik erinnerte mich eher an eine Super-Marip Spiel als an eine Lichtshow. There’s some potential for improvement...

Tja, und so geht Part 1 am Flughafen in Hong Kong zu Ende. Und mit vielen neuen Bekanntschaften, neuen Eindrücken und v.a. 5 Medaillen und 5 Diplomen bei der Universiade kann ich sagen: Mission completed!