Montag, 28. November 2011

Thanksgiving - Teil 2

Da die USA und Kanada ihr Thanksgiving zu unterschiedlichen Zeitpunkten feiern, bekam ich eine zweite Chance, meinen ersten richtigen Turkey zu essen. Die Tatsache, dass ich dazu kam, auch das amerikanische Thanksgiving zu feiern, verdanke ich einem meiner beiden Mitbewohner. Da er aus Rhode Island stammt und seine Familie dort lebt, stand somit ein verlängertes Wochenende an der Ostküste der USA an – und dadurch erst einmal ein Road Trip! Denn Rhode Island liegt jetzt nicht gerade unbedingt um die Ecke und für einen Schweizer sind die Distanzen hier ja sowieso etwas anders, als das, was wir uns gewohnt sind. Und so fährt man halt für Thanksgiving rasch 10 Stunden für einen Weg, was völlig normal ist.

Ich darf an dieser Stelle jedoch erwähnen, dass sich jede Stunde im Auto vollends gelohnt hat, da wir ein super Wochenende hatten. Das Wetter hat dabei einmal mehr einen nicht ganz unwesentlichen Teil dazu beigetragen. Denn Rhode Island präsentierte sich in wunderbarem Herbstwetter und so macht es Spass, die schöne Natur mit einigen Spaziergängen zu erkunden.

Zusätzlich lebte ich definitiv den Lifestyle eines Amerikaners, resp. fügte mich problemlos darin ein. Sprich: Den Turkey für Thanksgiving, am Nachmittag wird Football im TV geschaut. Dies auf einem TV, der mindestens eine Bilddiagonale hat von 1.5 Metern und dazu sitz man auf einer ultra-weichen Couch, welche in Übergrösse ist und trinkt ein Bier. Zudem beginnt das Essen ca. um 15:00 mit den ersten Vorspeisen und findet seinen Abschluss irgendwann gegen Mitternacht mit den letzten Stücken Kuchen – sprich man isst so ziemlich den halben Tag, haha.

Doch der Amerikaner hat natürlich ein probates Mittel, um all die Kilos wieder abzutrainieren am nächsten Tag und was eignet sich dazu besser, als seine Lieblingsbeschäftigung – Shopping. Der Tag nach Thanksgiving nennt sich Blackfriday (da dann die meisten Geschäfte in die schwarzen Zahlen kommen) und es gibt in praktisch jedem Laden zum einen Rabatt, zum anderen öffnen die Geschäfte teilweise bereits um Mitternacht. Falls nicht, kommt es auch häufig vor, dass die Leute vor den Geschäften übernachten um am nächsten Morgen in der Pole Position zu sein. Wie man im Internet lesen kann, kam es dabei am Blackfriday durch das grosse Gedränge auch schon zu Todesopfern und auch Schlägerein zwischen Kunden sind keine Seltenheit – was auch durch diverse Youtube-Videos bekräftigt wird. Aber hey, macht ja auch völlig Sinn bei einem 2$-Toaster in Wall Mart...

Auf alle Fälle machten auch wir uns auf zum Shopping an Black Friday in ein Outlet Center. Bereits auf der Autobahn gab es einen Stau in der Ausfahrt, da so viele Leute dahin wollten, was nichts Gutes bedeutete. Auch die Parksituation liess eher an Süditalien erinnern: Auf Wiesen, Randsteinen, Abhängen – überall wo ein Auto hinpasste, wurde geparkt. In den meisten Läden ging es dann allerdings mit dem Gedränge. Wobei ich hier sagen muss, dass ich in ein paar Läden wohl nichts gekauft hätte, da man sicherlich ca. 30 Minuten an der Kasse angestanden wäre. Und in den bekannten Markenläden wie bspw. Ralph Lauren war es also definitiv kein angenehmes Einkaufsvergnügen mehr – zumindest nach meinem Empfinden nicht. Aber eben, man muss es ja einmal erlebt haben! Jedoch merkte ich rasch, dass Schweizer Effizient und mein Einkaufsverhalten nicht ganz mit jenem meiner Amerikanischen und Kanadischen Freunde übereinstimmt: So war ich um 17:00 eigentlich fertig und hatte alles, was ich brauchte und wollte (und nicht noch 1000 andere Sachen, was eben nicht immer ganz einfach ist, ich gebe es zu) und dachte, dass man dann bald einmal nach Hause fahren könnte... tja, falsch gedacht! Nach Hause fuhren wir dann geschlagene drei Stunden später und ich war schon beinahe durchgedreht, verbrachten wir doch rund 7 (!!!) Stunden in diesem Outlet. Wie gesagt, meine Geduld, die ich diesen Sommer in China erlangte, ist wirklich Gold wert, haha.

Am Samstag machte ich dann alleine einen Trip nach Boston, da sonst niemand mitkommen wollte. Dies erlaubte es mir aber, mein eigenes Tempo anzuschlagen und um einiges rascher die Dinge zu machen, als es in einer Gruppe möglich ist. Der Tag begann früh, da ich bereits den 06:00 Zug in Rhode Island nahm und so um 7:30 in Boston war – bereit, die Stadt zu erkunden. Und auch hier konnte ich mehrheitlich positive Eindrücke gewinnen, da die Stadt einiges zu bieten hat. Und nachdem ich letztes Jahr einige der grossen Städte an der Westküste sehen konnte, ist es spannend, nun jene an der Ostküste zu besichtigen, da sich diese doch stark unterscheiden. So spürt und sieht man an der Ostküste wirklich die Geschichte, die in diesen Städten und in der amerikanischen Geschichte steckt. Und gerade Boston hat diesbezüglich natürlich einiges zu bieten. Gut gefallen hat mir auch der nördliche Distrikt, welcher ein „little Italy“ ist und welcher wirklich etwas italienisches Dolce Vita und Flair versprüht. Das Einzige, was eigentlich ziemlich widersprüchlich ist, ist die Tatsache, dass die Hauptsstrasse von Little Italy „Hanover Street“ heisst :) Daneben habe ich noch den freedom Trail gemacht und dadurch diverse alte Häuser und Kirchen besichtigt, zwei Kriegsschiffe besichtig, eines aus dem 2. Weltkrieg und eines aus der Kolonialzeit. Am Nachmittag stand dann ein Besuch an einer der weltberühmtesten aller Unis auf dem Programm: Harvard. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Touristen gesehen, die sich eine Uni anschauten! Es brauchte sogar Security Personal, die einen Teil des Campus absicherten. Dies braucht es an der HSG definitiv nur, wenn das Forum ist oder wenn sie wieder einmal eine Bombe ans falsche Gebäude kleben ;) Des weiteren habe ich noch den Fenway Park, das Stadion der Boston Red Sox (Baseball) und noch einmal Downtown bei Nacht besichtigt, bevor es dann wieder nach Hause ging. Es würde mich echt wundernehmen, wie viele Kilometer ich an diesem Tag gelaufen bin – ich glaube, es waren einige!

Tja, und jetzt bin ich wieder im Auto zurück nach good old Canada! Und dann ist es vorerst einmal vorbei mit der Reiserei bis nach meinen Prüfungen – sprich am 14. Dezember und in den nächsten Tagen werde ich wohl ziemlich viel Zeit mit meinen Büchern verbringen und wieder die Bibliothek zu meinem zweiten – oder gar ersten – zu Hause machen... aber die Woche war es auf alle Fälle wert!

Impressionen aus Boston







Dienstag, 22. November 2011

Montréal - vraiment pas mal!

Montréal - vraiment pas mal!

Nach Toronto und Ottawa (sowie Vancouver letzten Sommer) stand die nächste (und eigentlich auch letzte) Grossstadt in Kanada auf dem Reiseplan. Dabei habe ich die ersten beiden Tage bei einem Freund auf der Coach geschlafen, den ich letzten Sommer in Vancouver im Backpacker getroffen habe – ich denke einmal, solche Geschichten sind mitunter auch ein Verdienst von Facebook. Auf alle Fälle war es für mich natürlich ziemlich praktisch, dass ich so auch gleich einen Local als Tourguide hatte. Dies brachte zum einen den Vorteil mit sich, dass man am Abend noch spontan einen Trip mit dem Auto auf den Mont Royal machen konnte, oder für gewisse Sehenswürdigkeiten nicht einmal aus dem Auto aussteigen musste, haha (was wirklich ein Vorteil ist, wenn es draussen kalt ist !) Zudem war ich dadurch aber auch kulinarisch ziemlich gut bedient: typische Gerichte standen auf dem Programm. So beispielsweise smoked meat und natürlich Poutine. Wobei es in einem der Restaurants für smoked meat bereits um 17:00 eine Schlange von ca. 30 Personen vor dem Restaurant hatte!

Absolutes Highlight von meinem Montreal Trip waren aber die beiden NHL Matches im Bell Center. Am Samstag gegen die New York Rangers (4:0 gewonnen) und am Montag Abend gegen Stanley Cup Gewinner Boston (leider 0:1) verloren. Verglichen mit dem Match in Ottawa war die Stimmung in Montreal um einiges besser und man merkt auch auf der Strasse, dass für die Leute die Habs einen speziellen Stellenwert haben. An dieser Stelle auch einen herzlichen Dank an Yannick Weber, welcher mir die Tickets gegeben hat.

Zur Stadt Montreal gibt es zu sagen, dass diese wirklich um einiges weniger „amerikanisch“ ist im Vergleich zu Toronto oder den (meisten) anderen Städten in Nordamerika (zumindest die, die ich bis jetzt gesehen habe). So gibt es bspw. eine wunderbare Altstadt, wo es sogar Kopfsteinpflaster-Passagen hat. Auch sonst, machte mir Montreal einen sehr kulturellen Eindruck, mit vielen kleinen Bistros, Kaffees, aber auch Konzerthallen, Theatern, einer schönen Einkaufsstrasse und ca. 100 Kirchen in der Stadt :) Und es versteht sich von selbst, dass bei schönem Wetter (am Montag) das Ganze noch einmal um einiges schöner war! Zudem war es wirtig zu sehen, wie die Stadt für die kalten Winter gebaut ist. So ist bspw. ein grosser Teil des Zentrum unterirdisch verbunden, so dass man bequem von einem Einkaufszentrum oder Gebäude zum nächsten kann, ohne dabei an die (kalte) Luft zu müssen. Zudem habe ich festgestellt, dass ich mit St. Moritz, Berlin, Innsbruck, Melbourne, Sydney, Albertville, Vancouver, Los Angeles und Montreal schon neun Städte besucht habe, in denen die Olympischen Spiele stattfaden :)

Tja, und beinahe wäre ein schon super Wochenende „awesome“ geworden: Ich habe per Zufall gesehen, dass „the Kooks“, eine meiner absoluten Lieblingsbands, am Dienstag Abend in Montreal ein Konzert geben. Dafür hätte ich natürlich spontan um einen Tag verlängert – es war aber leider schon ausverkauft. Und so befinde ich mich bereits wieder im Bus zurück nach Kingston. Da werde ich allerdings nicht lange bleiben, denn bereits morgen Nachmittag geht es weiter nach Rode Islands mit meinen WG-Mitbewohnern um dort Thanksgiving (das amerikanische) zu feiern. Da Rode Island sehr nahe bei Boston liegt, hoffe ich, dass es am Wochenende dann für einen Ausflug dahin reicht!

Nach anstrengenden Wochen an der Uni steht diese Woche also klar das Reisen im Vordergrund, bevor es dann bald schon mit den Finals meine allerletzten Bachleor-Prüfungen auf dem Programm stehen. In diesem Sinne: Jetzt noch einmal etwas erholen und dann Vollgas :) in jeglicher Hinsicht, haha

November aka Movember

November aka Movember

Phu, ganz schön viel Zeit vergangen seit meinem letzten Blog-Eintrag! Der Grund dafür liegt jedoch nicht primär darin, dass nichts passiert wäre in den vergangenen Wochen. Zum einen stand einiges an Arbeit für die Uni an, dies gekoppelt mit meiner Bachelorarbeit macht bereits einmal ein gewisses Pensum aus – über das ich allerdings nicht schreiben werde auf diesem Blog, da dies definitiv zu langweilig wäre. Zum anderen waren aber ich diverse andere Aktivitäten angesagt, wobei für einmal mehrheitlich in Kingston.

Auf alle Fälle erlebte ich nach meinem ersten Thanksgiving auch meinen zweiten typischen Nordamerikanischen „Anlass“: Halloween! Was in der Schweiz teilweise als etwas nervig und „Veramerikanisierung“ angesehen werden kann, kann hier natürlich hemmungslos gefeiert werden. Auch wenn ich an dieser Stelle sagen muss, dass meine beiden Kostüms (einmal als Stu von Hangover II und einmal als Luigi) schon nicht ganz mit dem Mithalten konnte, was die anderen an Zeit (und evtl. auch Geld) investierten – aber hey, ich hatte ja schliesslich auch noch Midterms zu schrieben und somit keine Zeit zum basteln! (gute Ausrede, oder?) Da Halloween in diesem Jahr an einem Montag war, bedeutete dies sogleich auch ein langes Party-Weekend... und ja, eine Party am Montag macht die Woche nicht unbedingt produktiver :)

Nebst der ganzen Trinkerei – und nein, ich mache auch noch andere Sachen! – versuche ich natürlich auch den sportlichen Ausgleich nicht ganz zu vernachlässigen. Dieser besteht aus Joggen, Badminton, Gym und einem wöchentlich stattfindenden „Duell der Ehre“ gegen meinen Österreichischen Freund Chris. Leider muss an dieser Stelle aber gesagt werden, dass die Statistik alles andere als gut für die Schweiz aussieht – sorry! Zu meiner Entschuldigung darf ich aber sagen, dass ich materialtechnisch, trainingsmässig und gemäss Körpergrösse auch deutlich benachteiligt bin. Tja, und manchmal kann halt nicht einmal Kampfgeist so viel wegmachen ;)
Das Einzige, was mir eigentlich fehlt hier drüben in Bezug auf Sport ist: Eishockey! Was ja eigentlich ziemlich zynisch ist, da ich mich zur Zeit im Mutterland des Eishockeys aufhalte. Aber da ich meine Ausrüstung nicht mitgenommen habe und es auch sonst noch keine Outdoor-Rinks gibt, die geöffnet sind, muss ich zur Zeit leider darauf verzichten. Aber ich muss sagen, dass mir die Gekkos schon ein bisschen fehlen – war ne gute Zeit letzte Saison!

Doch auch wenn das Eishockeyspielen etwas zu kurz kommt, so konnte ich doch wenigstens ein neues NHL-Stadion zu meiner Liste hinzufügen: Scotiabank Stadium, Heimstädte der Ottawa Senators. Denn vor zwei Wochen stand ein Wochenendausflug nach Ottawa mit einer grossen Gruppe von anderen Austauschstudenten auf dem Programm. Wir hatten ein super Wochenende – nicht zuletzt auch dank des perfekten Herbstwetters, das wir über die beiden Tage hatten und Ottawa zu einer sehr schönen Stadt machte. Natürlich war auch das NHL Spiel ein weiterer guter Grund für unseren erfolgreichen Ausflug, dieses mal bekamen wir sogar ein Shoot-out zu sehen. Allerdings war es betreffend Stimmung schon nicht ganz so top wie mein letztes Spiel in Toronto...

Bezüglich Stimmung hoffe ich aber, dass dieses Wochenende neue Massstäbe setzen wird, da ich im Moment gerade im Bus auf dem Weg nach Montreal sitzen. Mal schauen, was das Bell Center und die Montreal Canadiens zu bieten haben werden!

Um noch den Bezug zum Titel herzustellen: November wird in einigen englischsprachigen Teilen der Welt seit einigen Jahren auch Movember genannt. Dies deshalb, da viele männliche Exemplare während diesem Monat mit einem Schnauz anzutreffen sind (mit Ausnahme der Asiaten – eigentlich diskriminierend, oder?! :)). Grund dafür ist, dass man dadurch auf Prostatakrebst, die meistverbreitete Krankheit bei Männern, aufmerksam machen und Geld für die Bekämpfung sammeln will. Weitere Informationen dazu unter: http://ca.movember.com/about/

Auf alle Fälle ist es sehr lustig, da man wirklich sehr viele Studenten mit Schnauz sieht, teilweise auch mit wirklich guten Kreationen. Ich bezweifle zwar, dass die Freundinnen da jeweils ebenso viel Freude haben, wie die Jungs. Es versteht sich von selbst, dass auch ich für solche Sachen leicht zu begeistern bin ;)

Nebst dem Anpassen an die hiesige Kultur darf ich aber auch behaupten, dass ich auch in die andere Richtung aktiv bin. Zum einen durch eine Oktoberfest-Party, die ich „gehostet„ habe und die durchwegs als „epic“ bezeichnet werden kann. Zum anderen aber auch kulinarisch durch ein gemütliches Fondue – wenn auch etwas improvisiert mit normalen Gabeln und aus der Pfanne. Aber es hat trotzdem sehr gut geschmeckt!

Jetzt gehe ich also mal auskundschaften, was Montreal so zu bieten hat – und was von meinem Französisch noch übrig ist! On y va...

Fotos Ottawa


Aussicht vom Parlament Hill




Scotiabank Place - Home of the Ottawa Senators





Eigentlich kein Ottawa-Fan, der aber trotzdem so tut :)





Parlament





Blick auf Ottawa